Podcast-Skript: Träume haben Mut verdient
Folge 29: „Du kannst das nicht“ – sagt wer eigentlich?
Intro (ca. 2 Minuten)
Hallo und ein liebes guten Morgen an diesem Montag. Mein Schwimmtrainer hat früher immer gesagt: „Kann ich nicht, heißt will ich nicht“. Und ich hab gemerkt: Ganz so unrecht hatte er nicht. Er hat uns immer wieder Aufgaben gegeben, von denen ich überzeugt war, dass ich es nicht kann. Und ja, sie waren schwer und unangenehm. Aber meistens habe ich sie geschafft. Und wenn nicht komplett, dann aber immernoch zu einem Teil, der den gewünschten Trainingseffekt hatte.
Und damit herzlich Willkommen zu der Folge „Du kannst das nicht… sagt wer eigentlich?“
Heute geht es darum, dass wir häufig denken, dass wir etwas nicht könnten. Dabei haben wir es noch gar nicht ausprobiert. Ich spreche heute darüber, was die Aussage „Ich kann das nicht“ mit Angst zu tun hat. Warum die Angst davor, etwas Neues zu testen sich oft so real anfühlt, und was wirklich dahinter steht. Und am Ende schauen wir uns an, wie wir es schaffen trotz Angst zu handeln. Let’s go…
Kapitel 1: Gefühl ≠ Fähigkeit
Was hat die Aussage: „Ich kann das nicht“ eigentlich mit Angst zu tun? Naja, lass uns mal kurz nachdenken, wann wir diesen Satz am häufigsten benutzen. Oder, um ehrlich zu sein, denken wir ihn meistens nur noch. Wirklich ausgesprochen hören wir ihn eher bei Kindern. Wir vertuschen ein gedachtes „Ich kann das nicht“ eher mit „Ich habe keine Lust dazu“.
Ich zum Beispiel habe keine Lust Billard zu spielen. Ich bin überzeugt davon, ich kann das nicht. Der Tisch ist viel zu hoch für mich, ich komm gar nicht richtig ran, um die Kugeln gut stoßen zu können. Und jetzt bin ich mal ganz ehrlich zu mir selbst… Heißt das wirklich, dass ich kein Billard spielen kann? Es ist vielleicht schwerer für mich, aufgrund meiner Kürze… Aber eigentlich bin ich nur nicht gut darin, weil ich es nie mache. Weil ich mich immer davor drücke. Ansonsten hätte ich bestimmt schon Techniken entwickelt, wie es trotzdem halbwegs klappt. ABER… ich habe Angst davor, mich zu blamieren.
Oder ein Beispiel aus dem Büro… Du möchtest nach einer Gehaltserhöhung fragen. Wie lange schiebst du das Gespräch vor dir her? War es wirklich nicht der richtige Zeitpunkt? In diesem Zusammenhang bestimmt die häufigste Ausrede für „Ich hab mich nicht getraut“. Innerlich fragst du dich: „Boah, warum kann ich das nicht?“. Aber du könntest es… Wenn du deine Angst vor der Ablehnung überwinden würdest.
Wir zweifeln so häufig und so schnell an unseren Fähigkeiten. Dabei geht es meistens eigentlich nur um ein Gefühl, das wir in genau diesem Moment haben. Und dieses Gefühl – die Angst oder die Unsicherheit – kommt immer dann, wenn wir etwas Neues, Ungewohntes machen.
Niemand fühlt sich sicher beim ersten Mal.Nicht beim ersten Date.
Nicht bei der ersten Gehaltsverhandlung.
Nicht bei der ersten Reise alleine.
Wir haben noch keine Routine, wenn etwas neu ist. Und deshalb fühlt es sich komisch an.
Kapitel 2: Warum Angst so überzeugend klingt
Warum lassen wir uns so leicht von der Angst ausbremsen? Weil sie uns einfach austrickst. Wenn uns bewusst wäre, dass wir gerade Angst haben, dann könnten wir darauf antworten, und sagen, es kann ja nichts passieren. Aber statt „Ich hab Angst“ denken wir eher Sätze wie:
Das geht eh schief.
Das hab ich noch nie gekonnt.
Andere können das besser.
Und ich blamier mich sowieso.
Die Angst basiert auf alten Erfahrungen. Auf Erinnerungen, wann mal was genau auf die Art schief ging. Und dann mutiert sie zum großen Hulk und will uns davor beschützen, uns wieder so zu fühlen. Deshalb spricht sie auch nicht vorsichtig, „vielleicht geht das schief“… Sondern „das ist so. Punkt.“ Da ist wenig Spielraum für Argumentation…
Und genau deshalb glauben wir ihr.
Kennst du den Satz „völlige Überzeugung bei totaler Ahnungslosigkeit“? Das ist das gleiche Prinzip. Sobald uns jemand gegenübersteht, der absolut selbstsicher etwas erzählt. So, als gäbe es daran gar keine Zweifel. Dann tendieren wir dazu, ihm zu glauben. Nur wenn wir uns selbst gut in dem Gebiet auskennen, trauen wir uns, zu widersprechen. Und genau so steht unsere Angst vor uns. Mit 100 prozentiger Sicherheit, dass sie gerade das richtige für uns tut.
Kapitel 3: Was Angst wirklich verhindern will
Sie will verhindern, dass wir scheitern. Dass wir uns unwohl fühlen. Dass wir das Gefühl haben, von anderen ausgelacht zu werden.
Wenn du denkst, du kannst das nicht, bedeutet es oft, das ist ungewohnt.
Es geht nicht um deine tatsächlichen Fähigkeiten, sondern darum, wie du mit etwas unbekanntem umgehst. Kannst du ein „Nein“ verkraften, wenn du nach einer Gehaltserhöhung fragst? Wenn ja, dann fällt dir die Frage nicht schwer. Und wenn sie dir schwerfällt, denk darüber nach, was passiert, wenn du ein „Nein“ bekommst. Die rein logische Antwort ist: Gar nichts. Alles bleibt so, wie es jetzt ist. Im schlimmsten Fall. Und im nicht schlimmsten Fall bekommst du eine Begründung für das „Nein“, und weißt, wie du beim nächsten Mal ein „Ja“ bekommen kannst. Wir können keine Tore schießen, wenn wir nicht schießen. Aber sollten wir daneben schießen, wird uns ja nichts abgezogen.
Kapitel 4: Mut als innerer Entscheidungsprozess
Diese logische Herangehensweise wird deine Angst nicht einfach verscheuchen. Wahrscheinlich wird sie trotzdem bleiben. Und das ist auch okay so. Es kommt nicht darauf an, keine Angst mehr zu haben. Sondern darauf, trotzdem zu handeln.
Wenn ich im Schwimmtraining gesagt habe, ich kann das nicht. Dann hatte ich Angst vorm Scheitern. Aber es wurde gemacht, was der Trainer gesagt hat. Die Angst zu Scheitern war dann nicht weg. Aber ich bin los geschwommen. Jedes Mal. Und nein, ich bin nicht ertrunken. Es ist nichts passiert.
Hilft mir das auch heute noch? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich häufig los gehe, obwohl es mir ein wenig Angst macht. Ich weiß auch, dass ich mich immer noch davor drücke Billard zu spielen. Ich weiß, dass ich mir heute ne ganz Menge mehr zutraue als noch vor 5 Jahren. Ob ich das alles meinem Trainer zu verdanken habe, der mich trotz meinem „ich kann das nicht“ immer wieder auf die Bahn geschickt hat? Vielleicht.
Wenn wir an die mutigsten Menschen denken, die wir kennen. Denken wir häufig, die haben keine Angst. Haben sie schon, sie sind mutig, weil sie trotzdem handeln.
Mut bedeutet nicht zu sagen: Angst geh weg, ich kann das schon. Sondern loszugehen, obwohl ich mir nicht sicher bin.
Wenn wir in unserem Angst-Modus sind, denken wir häufig: Ich muss erst bereit dafür sein. Und dann starten wir nie. Denn die Wahrheit ist: Du wirst dich erst bereit fühlen, nachdem du angefangen hast. Nachdem du den ersten Schritt gegangen bist.
Und weißt du, was mein Coach mal zu mir gesagt hat? Nur wenn es dir Angst macht, ist es dir auch wichtig. Die Angst zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Also nutze sie. Nimm die Angst an. Sag ihr „Gut, dass du da bist. Jetzt kann ich übernehmen“. Und dann mach den ersten Schritt.
Rubrik „Montags bitte mit Mut“
In der Rubrik „Montags bitte mit Mut“ habe ich dir heute ein Gedicht von Rupi Kaur mitgebracht. Sie hat unter anderem den Gedichtband „Milk and honey“ veröffentlicht. Darin schreibt sie:
what’s the greatest lesson a woman should learnthat since day oneshe’s already had everything she needs within herselfit’s the world that convinced her she did not
Die Zweifel, die wir an unseren Fähigkeiten haben, haben wir über die Jahre gelernt und verinnerlicht. Je älter ich wurde, desto weniger mochte ich es, vom 3-Meter-brett zu springen. Aber ich kann es. Ich komm unten an, ohne mir weh zu tun. Auch heute noch. Egal, was mein Kopf mir vor dem Sprung sagt.
Abschluss
Angst ist oft sehr sicher in dem, was sie sagt.Aber Sicherheit ist nicht dasselbe wie Wahrheit.
Es geht nicht darum, angstfrei zu werden. Sondern darum, selbst zu entscheiden, selbst die Kontrolle zu übernehmen über das, was wir tun. Auch dann, wenn der innere Pessimist mal wieder Sprechstunde hat.
Ich wünsche dir einen tollen Start in diese Woche mit ganz wenig Angst und viel Sicherheit. Du kannst viel mehr, als du gerade denkst. Danke, dass du dir die Zeit für mich genommen hast. Und wenn du magst, folg dem Podcast, teil die Folge und lass mir eine Bewertung da – das bedeutet mir wirklich viel. Bis zur nächsten Folge.